Kabelliste erstellen: Leitfaden für AV-Installationen
Welche Spalten eine Kabelliste braucht, wie Sie Kabel nummerieren und beschriften und die Liste mit dem Kabelplan synchron halten.
Eine Kabelliste (auch Patchliste oder Kabelzugliste genannt) führt jedes Kabel einer Anlage auf: wo es beginnt, wo es endet, was es ist und wie es heißt. Der Kabelplan zeigt das Konzept. Gearbeitet wird auf der Baustelle aber nach der Kabelliste. Wenn sich beide widersprechen, gilt meist die Liste. Sie muss also stimmen.
Wer damit arbeitet
- Monteure ziehen und konfektionieren die Kabel danach.
- Die Beschriftung wird daraus gedruckt.
- Bei der Inbetriebnahme wird jede Leitung dagegen geprüft.
- Die Haustechnik des Kunden sucht damit noch Jahre später Fehler.
Alle müssen ein einzelnes Kabel schnell finden. Daraus ergeben sich die meisten Entscheidungen unten.
Die wichtigen Spalten
Eine Zeile pro Kabel. Ein praxistaugliches Minimum:
- Kabelnummer: im ganzen Projekt eindeutig und nie doppelt vergeben.
- Quellgerät und Port: zum Beispiel „CAM 1 / SDI OUT 1“. Verwenden Sie den Gerätenamen exakt wie im Kabelplan und auf den Rack-Beschriftungen.
- Quellort: Raum, Rack und HE-Position oder Bodentank.
- Zielgerät und Port.
- Zielort.
- Signaltyp: 12G-SDI, HDMI, Dante, Mikrofonpegel, DMX, Netzstrom.
- Kabeltyp und Stecker: zum Beispiel „Belden 1694A, BNC auf BNC“ oder „Cat6A U/FTP, RJ45 auf RJ45“.
- Länge: gemessen oder geschätzt, inklusive Servicereserve.
- Status: gezogen, konfektioniert, geprüft.
Sinnvolle Extras: Kabelbaum- oder Multicore-ID, Trassenführung, Farbcode. Nehmen Sie eine Spalte nur auf, wenn sie auf der Baustelle jemand liest.
Nummerierungsschemata
Drei Schemata sind üblich. Wählen Sie eines pro Projekt und bleiben Sie dabei.
- Fortlaufend: 001, 002, 003. Einfach und kollisionsfrei, aber die Nummer sagt nichts über das Kabel aus.
- Mit Systempräfix: V001 für Video, A001 für Audio, N001 für Netzwerk, P001 für Strom. Ein falscher Kabeltyp fällt sofort auf.
- Nach Ort: R2-015 für das fünfzehnte Kabel ab Rack 2. Nützlich bei großen Projekten mit vielen Räumen, in denen Teams Bereich für Bereich arbeiten.
Egal welches Schema: Die Nummer ist eine Kennung, keine Beschreibung. Sind die Etiketten gedruckt, wird nicht mehr umnummeriert. Fällt ein Kabel weg, wird seine Nummer stillgelegt. Nachträge bekommen die nächste freie Nummer, statt in eine bestehende Folge gequetscht zu werden.
Beschriftung
Beschriften Sie beide Enden mit demselben Text. Mindestens die Kabelnummer, besser Nummer plus Quelle und Ziel, etwa „V014 CAM1 > SW IN3“. Setzen Sie die Etiketten 100 bis 150 mm hinter den Stecker, damit sie im gesteckten Zustand lesbar sind, und halten Sie die Knickschutztülle frei, damit der Stecker sauber sitzt.
- Selbstlaminierende Wickeletiketten halten bei dünnen Kabeln mehr aus als Fahnenetiketten.
- Schrumpfschläuche sehen sauber aus, müssen aber vor der Steckermontage aufgezogen werden.
- Bei Multicores den Mantel und jedes Einzelende beschriften.
- Der Text auf Panel-Beschriftung, Kabeletikett und Kabelliste muss exakt übereinstimmen. „SW IN 3“ und „Switcher In3“ sind für jemanden, der nachts um 2 Uhr einen Fehler sucht, zwei verschiedene Dinge.
Kabelliste und Kabelplan synchron halten
Der typische Fehler: Der Plan wird überarbeitet, die Tabelle nicht, und das Team zieht Kabel nach dem alten Stand. Diese Gewohnheiten verhindern das:
- Eine einzige Quelle. Erzeugen Sie die Kabelliste entweder aus dem Plan, oder behandeln Sie die Liste als Master und aktualisieren Sie den Plan danach. Bearbeiten Sie nie beide unabhängig voneinander.
- Revision und Datum auf jeder Seite beider Dokumente, damit ein alter Ausdruck sofort auffällt.
- Nummern bei Ausgabe einfrieren. Ist die Liste auf der Baustelle, bekommen Änderungen neue Nummern oder werden als Revision markiert, nie stillschweigend geändert.
- Änderungen sichtbar machen. Eine Revisionsspalte oder Markierung zeigt dem Team, was sich seit dem letzten Ausdruck geändert hat.
- Bei der Inbetriebnahme abarbeiten. Haken Sie jede Zeile nach der Prüfung ab. Die abgehakte Liste wird Ihre Bestandsdokumentation.
Häufige Fehler
- Portnamen, die nicht zur Beschriftung auf den Geräten passen.
- Keine Längen, sodass niemand die Kabelbestellung oder Zuschnittliste prüfen kann.
- Patchfelder und Tie-Lines fehlen, sodass überall dort eine Lücke entsteht, wo ein Signal durch ein Panel läuft. Verbindungen von Panel zu Panel sind Kabel und brauchen eigene Zeilen.
- Strom- und Netzwerkkabel ausgelassen, weil sie selbstverständlich scheinen.
- Eine Liste, die nur nach Nummer sortiert ist. Monteure arbeiten Rack für Rack, also stellen Sie auch Ansichten nach Quellort und nach Zielort bereit.
So geht es in Patchify
In Patchify entsteht die Kabelliste aus dem Kabelplan. Mit aktivierten Kabelnummern erhält jede Verbindung, die Sie zwischen zwei Ports ziehen, die nächste freie Nummer; Sie können Nummern bearbeiten oder neu vergeben. Die Verbindungsliste mit Quelle, Ziel, Steckern und Länge basiert auf denselben Daten und lässt sich als PDF oder Excel für das Team exportieren. Ändern Sie den Plan, ändert sich die Liste mit, sodass beide nicht auseinanderlaufen können.